Mitarbeiter erzählen

Ernst Reit­tin­ger ist ein „Urge­stein“ des Umdasch-Laden­baus. Und er erleb­te die Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit Josef Umdasch haut­nah mit.

Mitarbeiter erzählen

Ernst Reit­tin­ger ist ein „Urge­stein“ des Umdasch-Laden­baus. Und er erleb­te die Unter­neh­mer­per­sön­lich­keit Josef Umdasch haut­nah mit.

Im Gespräch mit Ernst Reittinger

Als Ernst Reit­tin­ger 1961 in der Fir­ma „St. & A. Hop­fer­wie­ser“ zu arbei­ten begann, waren die Din­ge nicht ein­fach. Reit­tin­ger: „Die Fir­ma Hop­fer­wie­ser, und am Anfang auch Umdasch, hat­te wirt­schaft­lich nicht den bes­ten Ruf, sodass es schwie­rig war, vor Ort Per­so­nal zu bekom­men.“ Doch es soll­te bald anders kom­men. Die Wei­chen für den Auf­stieg des Unter­neh­mens waren bereits gestellt. Es war Fir­men­chef Josef Umdasch, der aus dem holz­ver­ar­bei­ten­den Betrieb mit vie­len Spar­ten bereits ab Mit­te der 1950er Jah­re eine neue Unter­neh­mens­grup­pe zu for­men begann. Auf nur zwei Stand­bei­nen – Laden­bau und Scha­lung. Der Rest – Säge­werk, Holz­han­del, Fens­ter- und Türen-Pro­duk­ti­on, der Bauch­la­den sozu­sa­gen – wur­de lang­sam ein­ge­stellt.

Josef Umdasch hat­te ein kla­res Ziel vor Augen: Ihm ging es dar­um, von der ein­fa­chen Holz­ver­ar­bei­tung abzu­ge­hen und die Wei­ter­ver­ar­bei­tung in hoch­wer­ti­ge End­pro­duk­te zu errei­chen. Nicht mehr nur Pro­duk­te son­dern Lösun­gen soll­ten ange­bo­ten wer­den. Die Umbe­nen­nung der Fir­ma – von „St. & A. Hop­fer­wie­ser“ in „Umdasch K.G.“ – war ein wei­te­rer logi­scher Schritt dar­aus. Reit­tin­ger:

Er war ja ein Mensch, der nur nach vorne gestrebt hat. Für ihn gab es nur diese Richtung.“

Josef Umdasch hat 1937 in die Fami­lie Hop­fer­wie­ser ein­ge­hei­ra­tet. Die Holz­ver­ar­bei­tung war zwar nicht sein eigent­li­ches Metier, aber er konn­te Leu­te moti­vie­ren. Und er war von der Zukunft sei­ner Fir­ma über­zeugt. Der Fir­men­chef war mit „Eifer und Über­zeu­gung“ dabei. Das spür­ten die Mit­ar­bei­ter. „Er war klug. Er wuss­te his­to­risch alles, er war eine Per­sön­lich­keit. Er konn­te mit jedem Men­schen reden, ob das jetzt ein Hilfs­ar­bei­ter war oder der Bun­des­kanz­ler, er war für alle ein Gesprächs­part­ner.“

Und wäh­rend also Reit­tin­gers Kol­le­gen zu Beginn der 1960er Jah­re zu ande­ren Unter­neh­men wech­sel­ten, blieb Ernst Reit­tin­ger bei Umdasch – krem­pel­te die Ärmel hoch und arbei­te­te, wenn auch unter nicht immer ein­fa­chen Bedin­gun­gen.

Umdasch entwickelt sich zur Industrie

Pro­duk­te und Pro­duk­ti­on wur­den über die Jah­re in Rich­tung Indus­trie wei­ter­ent­wi­ckelt – in der Fest­schrift, die die Umdasch KG 1968 anläss­lich des 100-jäh­ri­gen Bestehens der Fir­ma her­aus­ge­ge­ben hat, geht es genau um die­se Ver­än­de­rung. Dort heißt es: „Aus dem Roh­stoff Holz wur­den lohn­in­ten­si­ve Fer­tig­pro­duk­te. Statt Holz nur hand­werk­lich zu bear­bei­ten oder nur zu ver­kau­fen, begann die Fir­ma, hoch­wer­ti­ge Erzeug­nis­se auf indus­tri­el­ler Basis her­zu­stel­len.“

Reit­tin­ger, gelern­ter Tisch­ler und Absol­vent der Holz­fach­schu­le Hall­statt, fing in der Tisch­le­rei an. Er und sei­ne Kol­le­gen muss­ten Kühl­vi­tri­nen her­stel­len, hat­ten das aber nie gelernt. Und auch sonst war „alles sehr impro­vi­siert.“ Und dann war da die für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se „unvor­stell­ba­re“ Arbeits­zeit. „Wir haben sogar, wenn es spät gewor­den ist, gleich im Büro in irgend­ei­nem Eck geschla­fen. Unvor­stell­bar heu­te, aber das war so.“

Reit­tin­ger: „Zuerst haben wir an der Hobel­bank gear­bei­tet, dann sind wir ins Büro gekom­men. Da haben wir alles gemacht, was ange­fal­len ist, ob es Zeich­nen war oder auf Mon­ta­ge fah­ren. Anfangs gab es nur ein beschei­de­nes Büro. Wir haben die Büros aus­ge­baut. Zuerst haben wir die Büro­ar­beit und dann noch die Arbeit in der Fer­ti­gung gemacht. Das hat teil­wei­se sie­ben Tage gedau­ert. Damals in dem Alter war das kein The­ma. Für uns war es in Ord­nung, weil wir damit Geld ver­dient haben.“

Die Erfolgs­ge­schich­te des Umdasch Laden­baus ist vom Lebens­mit­tel­han­del aus­ge­gan­gen. 1956 bis 1962 hat Umdasch 1000 Läden von A&O als Selbst­be­die­nungs­lä­den aus­ge­stat­tet. „Und das hat sich dann auf Tex­til­han­del, Kauf­häu­ser, Dro­ge­ri­en, Schuh­lä­den aus­ge­wei­tet, auf alles Modi­sche eben. Dar­auf haben wir uns suk­zes­si­ve spe­zia­li­siert“, sagt Reit­tin­ger. Der Umdasch Laden­bau ist außer­dem nicht in Öster­reich „hän­gen geblie­ben.“

Wir sind nach Amerika gefahren. Amerika war Europa ja im Ladenbau weit voraus.“
Die 48-Stunden-Woche

In den ers­ten Jahr­zehn­ten der Zwei­ten Repu­blik war die 48-Stun­den-Woche, also sechs Arbeits­ta­ge zu je acht Stun­den, die Regel. Im Jahr 1968 unter­zeich­ne­ten 890.000 Men­schen das Volks­be­geh­ren zur Ein­füh­rung der 40-Stun­den-Woche. Die Sozi­al­part­ner einig­ten sich dar­auf­hin auf eine schritt­wei­se Sen­kung. Bis 1975 wur­de die wöchent­li­che Arbeits­zeit auf 43, spä­ter auf 42 und schließ­lich auf 40 Stun­den gesenkt. Im Jahr 1985 wur­de für man­che Bran­chen die 38,5 Stun­den Woche ein­ge­führt.

Der Zeit­punkt, als man end­lich zu spü­ren begann, dass es auf­wärts ging, kam 1965 und 1967. „Da hat man Erfol­ge gese­hen, da hat man für mei­nen Begriff auch end­lich ordent­lich ver­dient“, erzählt Reit­tin­ger.

Reit­tin­ger sel­ber hat im Laden­bau über die Jahr­zehn­te immer die Tech­nik betreut: Von der Pla­nung über Arbeits­vor­be­rei­tung, Pro­duk­ti­on, Zukauf, Han­del, Ein­kauf – Reit­tin­ger war immer im Fokus des Gesche­hens. Rück­bli­ckend sagt der gebür­ti­ge Ober­ös­ter­rei­cher: „Ich glau­be, wir haben schon eini­ges bewegt.“