Mitarbeiter erzählen

Die gel­ben Scha­lungs­plat­ten von Doka kennt heu­te jeder. Das ist zu einem Teil auch der Arbeit von Maria Ell­böck zu ver­dan­ken.

Mitarbeiter erzählen

Die gel­ben Scha­lungs­plat­ten von Doka kennt heu­te jeder. Das ist zu einem Teil auch der Arbeit von Maria Ell­böck zu ver­dan­ken.

Im Gespräch mit Maria Ellböck

Öster­reich 1956. Die Alli­ier­ten sind abge­zo­gen. Das Land befin­det sich im Wie­der­auf­bau. Bau­stel­len wohin man blickt. Dar­un­ter auch Groß­bau­stel­len. Eine jun­ge Frau aus Amstet­ten ist von Anfang an bei vie­len die­ser Groß­bau­stel­len – zumin­dest in Gedan­ken – dabei: Maria Ell­böck. Denn sie beginnt 1956 bei der Fir­ma „St. & A. Hop­fer­wie­ser“ in Amstet­ten zu arbei­ten. Der Betrieb, der eini­ge Jah­re spä­ter in Umdasch K.G. umbe­nannt wird, ist seit Mit­te der 1950er Jah­re auf die Her­stel­lung von Scha­lungs­plat­ten fokus­siert. Dadurch gelingt es dem Unter­neh­men, den Auf­trag für den Bau des Donau­kraft­werks Ybbs/Persenbeug und ande­rer Kraft­wer­ke zu gewin­nen. Groß­flä­chen­scha­lun­gen wer­den für die­se rie­si­gen Beton­bau­ten drin­gend benö­tigt – und von der Fir­ma Hop­fer­wie­ser spe­zi­ell ent­wi­ckelt. Die Errich­tung der Was­ser­kraft­wer­ke ist Mei­len­stein in der Geschich­te des öster­rei­chi­schen Wie­der­auf­baus. Und die Geburts­stun­de einer neu­en Fir­ma und Mar­ke: Doka. Der Name lei­tet sich genau davon ab: DOnau­KrAft­werk.

An den Tag ihrer Ein­stel­lung erin­nert sich Maria Ell­böck noch genau. „Es war an einem Sams­tag, an dem der Herr Umdasch kurz vor der Abrei­se nach Wien stand. Er hat mir etwas dik­tiert, was ich ste­no­gra­phiert und dann in die Maschi­ne über­tra­gen habe, und inner­halb von zehn Minu­ten war ich ein­ge­stellt. So habe ich begon­nen.“

Der Ver­trieb von Scha­lungs­plat­ten war Maria Ell­böcks ers­te Auf­ga­be bei Hop­fer­wie­ser. „Wir muss­ten viel Rekla­me machen und mit den Bau­fir­men spre­chen. Da gab es einen Slo­gan:

Im Nu geht jeder Bau vonstatten, baust du mit Doka-Schalungsplatten!“

Ell­böck war von Anfang an im Bereich von Ernst Röck, dem spä­te­ren Direk­tor, beschäf­tigt. Er war die rech­te Hand von Fir­men­chef Josef Umdasch und zustän­dig für Doka. „Der Herr Röck, ein sehr klu­ger Mann mit Weit­blick, hat eine Sekre­tä­rin gebraucht. Das war dann ich.“ Der erwähn­te Weit­blick Ernst Röcks mach­te sich bald bemerk­bar. Das Wit­tern von neu­en Trends lag ihm im Blut, und davon pro­fi­tier­te das Unter­neh­men wesent­lich.

Irgendwann hat man dann gesehen, dass wir nicht nur Schalungsplatten für den Bau brauchen, sondern ganze Schalungen aus Holz und Metall – eine Schalung und eine Gerüstkonstruktion zusammen“

Und damit begann gleich von Anfang an die Wei­ter­ent­wick­lung der Doka-Scha­lungs­plat­te. „So haben wir unge­fähr 1958 mit der Ent­wick­lung der Scha­lun­gen und Gerüs­tun­gen begon­nen. Das waren Pro­duk­te aus Holz und Stahl für Groß­bau­stel­len. Die wur­den zuerst ein­mal auf Kraft­wer­ken und Brü­cken ein­ge­setzt, und es ist dann immer mehr dazu­ge­kom­men. Es gab dann eine Groß­bau­stel­le in Tirol, wo man die Euro­pa­brü­cke gebaut hat. Ein wei­te­res berühm­tes Bei­spiel ist die Köln­brein­sper­re. Und natür­lich hat­ten wir im Aus­land rie­si­ge Bau­stel­len.“

Vie­le gro­ße Bau­wer­ke wur­den über die Jahr­zehn­te mit Scha­lungs­sys­te­men von Doka errich­tet, dar­un­ter auch vie­le berühm­te und pres­ti­ge­träch­ti­ge. An eines davon erin­nert sich Ell­böck beson­ders, weil es so groß war: Itaipú. „Das war zehn, zwan­zig Jah­re, nach­dem wir begon­nen haben, haben wir in Itaipú die gro­ße Sperr­mau­er zwi­schen Bra­si­li­en und Para­guy betreut.“ In Bra­si­li­en und Argen­ti­ni­en hat die Doka spä­ter eine Nie­der­las­sung eröff­net. Ell­böck: „Der Herr Röck war sogar eini­ge Zeit lang mit sei­ner Fami­lie in Bra­si­li­en, um dort die Nie­der­las­sung aus­zu­bau­en.“

Itaipú

Das Was­ser­kraft­werk zwi­schen Bra­si­li­en und Para­gu­ay zählt auch heu­te noch, laut Wiki­pe­dia, zu den größ­ten Strom­erzeu­gern. 2016 hat es mit 103 Mil­lio­nen MWh an pro­du­zier­ter Ener­gie den neu­en Welt­re­kord auf­ge­stellt und sogar das 3-Schluch­ten-Stau­damm-Kraft­werk in Chi­na über­holt. Itaipú wur­de in den 1970er Jah­ren errich­tet und 1984 fer­tig gestellt. Die bei­den Län­der tei­len sich den erzeug­ten Strom, wobei Para­gu­ay das meis­te davon nach Bra­si­li­en expor­tiert.

Großflächenschalung

In den 1960er Jah­ren beginnt der Bau der Bren­ner­au­to­bahn zwi­schen Tirol und Ita­li­en. Es ist die ers­te Gebirgs­au­to­bahn der Welt. Spek­ta­ku­lä­re Brü­cken­kon­struk­tio­nen wie  die Euro­pa­brü­cke oder die Lueg­brü­cke (sie­he Foto aus dem Doka-Archiv vom Juli 1968) über­win­den schein­bar mühe­los das gebir­gi­ge Gelän­de. Vor­aus­set­zung, um sol­che Brü­cken bau­en zu kön­nen,  war die 1966 ent­wi­ckel­te Doka-Groß­flä­chen­scha­lung. Sie ver­bin­det Doka-Scha­lungs­trä­ger, Drei­schicht­plat­te und Stahl­tei­le zu einer Scha­lung.

Trotz der immer stär­ker wer­den­den Prä­senz am Welt­markt, war Doka den­noch nie allei­ne am Scha­lungs­markt. Die neu­en Doka-Scha­lungs­sys­te­me setz­ten sich zwar rasch und in vie­len Län­dern durch, beson­ders schnell in Öster­reich und in Süd­deutsch­land. Aber: „Es gab eine star­ke Kon­kur­renz,“ sagt Ell­böck. Und auch wenn die Doka zum Bei­spiel in Öster­reich prak­tisch alle Groß­bau­stel­len an Land zie­hen konn­te, so gab es doch Aus­nah­men – und das war ärger­lich. Ell­böck: „In Öster­reich haben wir sogar alle bekom­men, bis auf das Land­haus in St. Pöl­ten im neu­en Regie­rungs­vier­tel. Das war kurz vor mei­ner Pen­sio­nie­rung, da habe ich mich noch mit geär­gert.“

Mit dem Erfolg der Doka wuchs auch Maria Ell­böcks Ver­ant­wor­tung im Unter­neh­men. „Die Arbeit ist für mich schnell immer umfang­rei­cher gewor­den und ich habe Assis­ten­tin­nen gebraucht, denn ich war ja für die Auf­trags­ab­wick­lung und alle damit zusam­men­hän­gen­den Arbei­ten zustän­dig, zum Bei­spiel den Trans­port der Waren, die Spe­di­ti­on, Abspra­chen mit unse­ren Pro­duk­ti­ons- und Tech­nik­ab­tei­lun­gen.“ Bis zu ihrer Pen­sio­nie­rung 1986 waren es an die 15 Mit­ar­bei­ter und Lehr­lin­ge, die durch ihre Abtei­lung gin­gen.

Hören Sie hier eine Interview-Sequenz von Maria Ellböck über ihre Zeit bei UMDASCH